Mein Natur Tagebuch – Essbare Wildpflanzen, Pilze & Garten / Selbstversorgung #1 (Februar 2020)

Gemüsegarten Wildkräuter Bericht

Die Idee dieses Tagebuchs ist, dass ich von meinen Erlebnissen in der Natur, beim Sammeln von essbaren Wildpflanzen & Pilzen und beim Gärtnern (insbesondere dem Anbau von Gemüse & Obst, also Selbstversorgung) berichte.
So möchte ich Inspirationen geben, Erfahrungen teilen und auch meinen eigenen Fortschritt und meine Errungenschaften dokumentieren.

Der Artikel enthält hier und da Produktempfehlungen, also Werbung.

 

1. Eintrag – 27.02.2020

Garten / Selbstversorgung / Gemüse Anbau

Vor etwa einer Woche kaufte ich mir einen Kleingarten / Schrebergarten.Selbstversorger Garten
Besonders toll daran ist, dass dieser Garten nicht in so einer typischen städtischen Schrebergartensiedlung ist, bei der sehr strenge Auflagen bestehen und man durchaus mal angemeckert wird, wenn ein Strauch zu hoch wird oder zu viele Beete und zu wenig Rasen im Garten sind.
Bei meinem Garten läuft das Ganze lockerer.

Vom Vorbesitzer waren bereits drei kleine Hochbeete, zwei bis drei normale Beete und ein Gewächshaus vorhanden, außerdem sollen Brombeer-, Himbeer- und Aroniapflanzen vorhanden sein.

Bislang konnte ich nur einen Garten bei meiner Wohnung mitbenutzen, hatte dort aber nicht die volle Kontrolle und nicht so viel Platz.
Umso mehr freue ich mich jetzt, dass ich meinen grünen Daumen komplett in Eigenregie ausleben kann.

Diesen Garten werde ich vegan betreiben, also keinen Tierkot als Dünger verwenden.

Ich habe inzwischen an drei verschiedenen Tagen an mehreren Stellen die Rasenschicht abgetragen und etwas umgegraben, im vorderen Teil des Gartens ist der Boden allerdings sehr schwer und verdichtet.
Deswegen habe ich noch nicht komplett umgegraben und warte nun auf die erste März Woche, an der ein Kompostwerk in meiner Stadt öffnet.
Dort werde ich mir geschreddertes Holz oder Rindenmulch kaufen und diesen in den verdichteten Boden einarbeiten, sodass er aufgelockert wird und Luft an den Boden kommt.

Auch Humus werde ich mir bei diesem Kompostwerk holen, da die Hochbeete nicht ganz befüllt sind, um die neuen Beete etwas zu düngen und um ihn (wohl mit Kokoshumus vermischt, den ich in getrockneter Form bestellt habe (hier könnt ihr ihn kaufen, ist top als Anzuchterde) für große Töpfe & Eimer zu verwenden, in denen ich wohl Wurzelgemüse anbaue.

Schön ist, dass bereits einige Knoblauch-Pflanzen in den Beeten sind, die ich definitiv noch ein paar Monate weiterwachsen lasse.Hochbeete Selbstversorgung

Vorgestern habe ich dann bereits ein Zimmergewächshaus mit verschiedenen Samen befüllt (Karotten, ein Asia Salatmix, Tomaten, Paprika & mehr) und es in das große Gewächshaus gestellt.
Da die Temperaturen jetzt wieder recht deutlich runter gingen, werden die Samen wahrscheinlich noch etwas mit dem Keimen brauchen, aber das ist ja nicht schlimm.

Gleiches habe ich, mit einem anderen Zimmergewächshaus, auch in meiner Wohnung für den heimischen Garten getan.
Die Karotten sind jetzt, nach nur wenigen Tagen, schon gekeimt!
Außerdem habe ich auch noch Shiso / Perilla (ein interessantes asiatisches Gewürz, das auch oft für Tee verwendet wird), Lauchzwiebel und Meeresbohne (Canavalia maritima, eine psychoaktive Pflanze, hier findet ihr einen Infoartikel zur Wirkung) ausgesät.

Ich finde, es ist wirklich eine schöne Beschäftigung, im Garten Beete umzugraben und währenddessen Hörbücher zu hören. Vorgestern hörte ich „Bad Monkeys“ von Matt Ruff, sehr zu empfehlender Roman 🙂

Übrigens habe ich mir für den Start (da ich nicht weiß, inwieweit der Kompost ausreicht und wie nährstoffreich der Boden in diesem Garten ist) ein wenig veganen Festdünger gekauft, nämlich den von KleePura (hier könnt ihr ihn bestellen).

 

Essbare Wildpflanzen / Pilze sammeln

Gestern habe ich mich nach langer Zeit mal wieder dazu aufgerafft, mich auf mein Fahrrad zu schwingen und etwa dreißig Minuten in einen dörflich gelegenen Wald zu fahren.

Nach dem Konsum einiger Youtube Videos von Buschfunkistan war meine Motivation groß, mich mal wieder in die Welt der essbaren Wildkräuter zu stürzen.

Es war wirklich toll, wieder im Wald zu sein, auch wenn das Wetter kalt und regnerisch war.Essbare Wildpflanze Brennnessel
Die Pflanze, die am meisten Platz in meiner Sammeltüte eingenommen hat, war definitiv die Brennnessel. Gerade ist sie nämlich noch sehr jung und zart, hat einen milden, natürlich, pflanzigen Geschmack und kann super für Salat, Spinat, Smoothies oder Säfte genutzt werden.

Ich sammelte sie einfach mit den bloßen Händen und achtete darauf, sie eher von unten anzufassen.
Ein paar mal hat sie mich gebrannt, schlimm finde ich das aber nicht.
Die unangenehmen, schmerzhaften Brennnessel-Stiche erhalte ich eigentlich nur, wenn ich sie aus Versehen mit nackter Haut streife, und sie nicht bewusst anfasse.

Viele Brennnesselblätter waren interessanterweise rötlich / lila, was wohl durch die Kälte kommt. Ein Phänomen, das auch bei Cannabis beobachtet wurde.
Sehr schön auf jeden Fall!

Bevor ich die Brennnessel roh im Salat esse, reibe ich sie übrigens ordentlich ab, sodass die Brennhaare umknicken. Im Mund kann das Brennen nämlich schon unangenehm werden.

Gerade während ich das schreibe kaue ich ein paar Brennnesselblätter von gestern und versuche dem Geschmack genau nachzufühlen. So richtig tritt er aus, wenn man gut drauf rumkaut, bei einem mal kauen merkt man davon nicht so viel.
Es hat defnitiv was von frisch gemähter Wiese, aber auch einen ganz eigenen Geschmack, der sich hervorragend in einer Kräuter-Cremesuppe macht.

Ich bin dann noch einige Zeit durch den Wald gestapft, ohne dass mir auch nur eine Menschenseele begegnet ist. Solche Naturplätze hat man wirklich oft für sich allein, wenn das Wetter nicht so gut ist.
An manchen Stellen musste ich mich durch den Matsch kämpfen und aufpassen, nicht hinzufallen.
Bei solchen Hindernissen fühlt man sich doch erst wie ein wahrer Naturbursche! 😀

Immer wieder schaute ich nach links und rechts auf die Nadelholz-Stümpfe, ob sich vielleicht Rauchblättrige Schwefelköpfe (ein hervorragender Speisepilz, der teils noch im zeitigen Frühjahr wächst) entdecken lassen.
Leider wurde diese Hoffnung nicht erfüllt.

Dafür fand ich recht schnell kleine Giersch Blätter, die noch wirklich winzig und extrem zart im Vergleich zum ausgewachsenen Stadium waren.
Giersch ist eine super essbare Wildpflanze, die karottig schmeckt und gerade, wenn sie noch hellgrün ist, eine tolle Konsistenz für den Salat hat. Könnte ich mir ebenfalls sehr gut in einer Kräutersuppe vorstellen, muss ich mal ausprobieren!

Während ich gerade Brennnessel und Giersch erntete, sah ich doch tatsächlich ein paar wenige kleine Pilzchen, die scheinbar aus dem Erdreich sprossen!Junge Fichtenzapfenrüblinge
Hierbei handelt es sich um Fichtenzapfenrüblinge.
Das sind essbare Speisepilze, die im März in Massen auftreten werden. Wie der Name schon sagt, wachsen sie auf Fichtenzapfen. Oft sieht es so aus, als würden sie auf dem Boden wachsen, allerdings kommen sie aus vergrabenen Zapfen.

Um sie zu sammeln muss man darauf achten, dass keine Kiefernzapfen herum liegen, da es auch sehr ähnlich aussehende Kiefernzapfenrüblinge gibt, die nicht essbar & giftig sind.
Fichtenzapfenrüblinge sind sehr lecker und können vielfach eingesetzt werden. Vergleichbar sind sie in etwa mit Samtfußrüblingen (auch Enoki genannt, recht häufige Winterpilze).
Sie sind eher klein, allerdings sind sie meist so zahlreich vorhanden, dass man mit etwas Mühe einen ordentlichen Vorrat sammeln kann!

Ich freue michs chon drauf, wenn sie überall auftreten.
Werde mir dann hoffentlich genug sammeln, um auch einige einzufrieren.
Ob man sie auch trocknen kann weiß ich gerade gar nicht, falls ja, muss ich das aber auch mal probieren!

Ich bin dann noch aus dem Wald heraus und zu einer Gegend mit vielen Wiesen und einigen Baum-Streifen gegangen.
Dort habe ich einiges an Giersch und auch Knoblauchsrauke gefunden!

Ich möchte hier mal eine Lanze für die Knoblauchsrauke brechen.Essbare Wildpflanze Knoblauchsrauke
Diese Pflanze ist häufig, leicht zu erkennen, sehr gesund (enthält Senfölglykoside) und ist sogar lecker und würzend! Sie hat, wie der Name schon sagt, einen Knoblauch-artigen, Senf-artigen Geschmack und eine gute, zarte Konsistenz.
Aktuell kann man die jungen Blätter sammeln, später dann auch die Blüten und im Spätsommer/Herbst sogar die Samen, welche nochmal deutlich schärfer und intensiver schmecken und ein tolles Gewürz sind.
Man könnte sogar Sprossen oder Microgreens aus den Samen ziehen.
Vielleicht werde ich dieses Jahr Knoblauchsrauke Samen als Kresse Ersatz züchten!

Leider verschwindet der Geschmack durch kochen, weswegen ich die Blätter meist im Salat verwende, oder auch einfach roh snacke.
Man könnte die Blätter auch in eine Suppe geben, aber nicht mitkochen. Das wäre sicher toll!

Während dem Giersch & Knoblauchsrauke Sammeln sah ich plötzlich ein lanzettliches Blatt in der Wiese, dass sehr verdächtig nach Bärlauch aussah.
Ich dachte erst noch, dass das bestimmt eine der giftigen Doppelgänger (Herbstzeitlose, Maiglöckchen) ist, also zerrieb ich ein Blatt und roch daran.
Und tatsächlich – ich habe Bärlauch gefunden!
Für mich ist das etwas sehr Besonderes, da in meiner Stadt nicht so viel Bärlauch wächst (während er in Wien extrem zahlreich im Wiener Wald & im Prater auffindbar war).
Ich habe dann noch einige weitere noch eher kleine, aber schon sammelbare Bärlauch Blätter gefunden.

Ich liebe diese Pflanze einfach, sie ist so gesund und hat einen sehr spezifischen, tollen Geschmack.Bärlauch sammeln
Ist definitiv mein Lieblingszwiebelgewächs!
Die meisten kennen Bärlauch Pesto, ich gebe Bärlauch aber auch gerne in Salat, Suppen, Eintöpfe etc.
Leider kann man die Blätter nicht so gut haltbar machen. Beim Trocknen verlieren sie jeglichen Geschmack, einfrieren funktioniert schon, aber auch hier wird Geschmack verloren.
Wenn ihr sehr viel Bärlauch findet, würde ich dennoch das Einfrieren empfehlen.
Oder natürlich man kocht Eintopf, Suppe oder Pesto und macht das ein! (Am besten mit einem Einkochautomat, z.B. von Weck – hier kaufbar)

Als ich mich dann langsam auf den Heimweg machen wollte, da die Sonne bald untergehen würde, kam mir eine Wanderin entgegen.
Sie sah, dass ich etwas sammele und sprach mich an.
Also zeigte ich ihr meine Sammeltüte und teilte mit, dass ich gerade Bärlauch gefunden habe.
Stellt sich raus, sie hat diesen Bärlauch mit Leuten aus ihrem Gartenbauverein überall in der Gegend angepflanzt, vor einigen Jahren!
Bin dann noch etwas neben ihr her gegangen und wir haben uns die Wanderwege, die Wälder und Pilze & essbare Wildpflanzen unterhalten.
Sie teilte mir mit, dass an einer Stelle hier auch bald wilder Schnittlauch erscheinen wird und dass da mehrere Schlehen-Sträucher stehen.

Werde da auf jeden Fall nochmal hin, wilden Schnittlauch würd ich gerne sammeln und bisher kannte ich nur Schlehen, die direkt an einer Straße wachsen.
Die Schlehe ist ein super interessanter Strauch. Die Beeren vor dem Frost kann man in Salz ziehen lassen & dann in Öl einlegen, um eine Art Oliven Ersatz zu haben.
Nach dem Frost werden sie dann etwas weniger zusammenziehend / herb und können dann für Muß, Marmelade, Gelee, Likör, Wein und Saft verwendet werden.
Aber auch im Frühling kann man von Schlehensträuchern ernten – die Blätter und Blüten sollen mandelartig schmecken und für Tee und als Gewürz verwendet werden können.

 

Zuhause angekommen habe ich mir am selben Tag noch einen Salat gemacht (als Salatsoße habe ich übrigens eine Essig-Öl-Balsamico Mischung genutzt, die ich eigentlich für einen Salat von vor zwei Tagen gemacht habe. Bei mir bleibt da meist viel Soße in der Schüssel übrig, also benutzte ich die einfach wieder).
Schön die Brennessel in Wasser abgerieben (und gleichzeitig gewaschen), grobe Stiele entfernt und mit Labkraut, Giersch, Knoblauchsrauke & ein bisschen Bärlauch zu einem sehr geschmackvollen, herben Salat gemischt.
Mehr Nährstoffe geht fast nicht!

Aus der übrig gebliebenen Brennnessel habe ich am nächsten Tag einen Tee gemacht (gemischt mit selbst gesammelten Lindenblüten und gekauftem Piment, Zimt & Kardamom).
Jetzt ist immer noch etwas getrocknete Brennnessel da, die fülle ich in ein Glas – gesunder gratis Tee!